SiLK - SicherheitsLeitfaden Kulturgut

2. Brand

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Brände sind eine Gefahr für alle Kultureinrichtungen, egal welcher Art. Feuer ist die größte Bedrohung für Kulturgüter, da es innerhalb kürzester Zeit große Teile von Sammlungen und Gebäuden zerstören kann. Wenn das Feuer außer Kontrolle gerät, sind Schäden unermesslichen Ausmaßes möglich. Hinzu kommen sekundäre Schäden durch Ruß, Löschmittel und unsachgemäße Evakuierung von Sammlungsgut. Vorbeugender Brandschutz ist daher von zentraler Bedeutung; kleine Brandereignisse oder brandverursachende Ereignisse (z.B. Kurzschluss) müssen schnellstmöglich erkannt und bekämpft werden, um größere Brände und große Schäden zu vermeiden. Für Einrichtungen mit Sammlungsbeständen besteht dabei die Schwierigkeit, dass sie sich häufig in denkmalgeschützten oder anderen historischen Gebäuden befinden, die ursprünglich nicht für eine Nutzung als Museum, Bibliothek oder Archiv vorgesehen waren und deren bauliche Situation nicht ohne weiteres an Vorgaben des Brandschutzes angepasst werden kann.

Wie entstehen Brände und welche typischen Ursachen liegen ihnen zu Grunde?
Ein Verbrennungsvorgang ist an folgende, gleichzeitig zusammentreffende Voraussetzungen gebunden:
1.    ein brennbarer Stoff,
2.    eine ausreichende Menge Sauerstoff,
3.    das richtige Mengenverhältnis zwischen beiden,
4.    eine entsprechend hohe Zündtemperatur, die den brennbaren Stoff bis zur Entzündung erwärmt.
Brennbare Stoffe sind feste, flüssige oder gasförmige Stoffe, einschließlich Dämpfe, Nebel und Stäube, die im Kontakt mit Luft oder Sauerstoff zur Entzündung gebracht werden können. Man unterscheidet leicht entzündliche, normal und schwer entzündbare Stoffe. Die Brennbarkeit von Stoffen nach einer Entzündung wird ebenfalls in leicht, normal und schwer brennbare Stoffe unterteilt.
Ein Brand ist ein chemischer Prozess unter Beteiligung von Sauerstoff. Da dieser zu rund 21 Volumen-% in unserer Luft ständig vorhanden ist, kann seine Präsenz als Brandvoraussetzung ohne erheblichen technischen Aufwand nur schwerlich verhindert werden. Eine Möglichkeit hierfür wäre, das Mischungsverhältnis der Luft in einem Raum mit Sauerstoff durch Beimischung anderer Gase so zu verändern und zu reduzieren, dass auf Grund der zu geringen Sauerstoffkonzentration ein Brand gar nicht erst entstehen kann.
Das richtige Mengenverhältnis als dritte Voraussetzung bezieht sich auf die gasförmige Vermengung mit Sauerstoff – d. h. feste und flüssige Stoffe müssen durch Zuführung von Wärme erst ganz oder teilweise in einen gasförmigen Zustand versetzt (thermisch aufbereitet) werden. Bei einer bestimmten Dauer und Intensität der Wärmezuführung treten brennbare gasförmige Bestandteile aus, die sich mit dem Sauerstoff der Luft vermischen und bei Erreichen des Zündpunktes schlagartig entzünden.
Eine weitere Möglichkeit der Entzündung besteht über die Glutbildung: Die im Bereich der Wärmezufuhr durch Wärmestau (z.B. an einem Holzbalken) entstehende poröse Röstkohle saugt den Sauerstoff der Luft an und bindet (absorbiert) ihn. Erreicht die Röstkohleschicht durch Wärmezufuhr und Wärmestau die Zündtemperatur, entsteht ein Glimmvorgang, der bei weiterer Sauerstoffzufuhr in eine Glutphase und in den Verbrennungsvorgang übergeht. Möglichkeiten hierzu bestehen z.B. bei länger währenden zu geringen Abständen zwischen brennbaren Materialien und Strahlungsquellen (Schornstein, Heizlüfter etc.).
Auf die Bedeutung der Zündtemperatur bei festen, brennbaren Stoffen wurde vorangehend bereits eingegangen. Bei Flüssigkeiten spricht man von zwei Temperaturzuständen: Dem Flammpunkt, bei dem die Verdunstung beginnt und das Dampf-Luft-Gemisch schlagartig zündet (Verpuffung), und dem Brennpunkt, bei dem durch noch höhere Temperatur so viel Flüssigkeit verdunstet bzw. verdampft, dass sich ein dauerhafter Verbrennungsvorgang einstellt.

Trotz der scheinbar komplizierten Voraussetzungen für das Entstehen eines (unbeabsichtigten, ungewollten) Brandes besteht eine durchgängig hohe Auftretenswahrscheinlichkeit – nicht nur im Haushalts- oder Industriebereich. Speziell für Museen, Bibliotheken und Archive liegen zwar keine Erhebungen vor, jedoch bezogen auf Kirchen und andere unter Denkmalschutz stehende Gebäude sind die wichtigsten Brandursachen in einer Statistik über mehr als 200 Bränden wie folgt erfasst:

 Brandstiftung 
 57
 Handwerksarbeiten  41
 Ungeklärte Ursachen 
 37
 Leichtsinn  32
 Heizung / Schornstein 
 25
 Elektroanlagen  22
 Blitzschlag   4
 Verschiedene Ursachen   
  4

Tabelle in: Frieder Kircher: Brandschutz im Bild. 1998, S. 36

Vermutlich können die „ungeklärten Ursachen“ ebenfalls zu einem erheblichen Teil dem „Leichtsinn“ und den „Handwerksarbeiten“ zugeordnet werden. Auf die hohe Anzahl von Brandstiftungen kann und soll an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang jedoch, dass dieser Ursache bei bestimmten thematisch und inhaltlich ausgerichteten Museen / Denkmälern / Ausstellungen besonders hoher Stellenwert zukommen kann.
„Elektrische“ Ursachen beinhalten ein sehr breites Spektrum an ursächlich auslösenden Anlässen, wie z.B. Überlastung elektrischer Anschlüsse, Verteiler oder Leitungen, defekte Anschlüsse, Kabel oder Geräte, nicht gewartete / geprüfte und dazu stark veraltete elektrische Anlagen usw.
Der falsche Umgang mit elektrischen Geräten oder Leuchtmitteln und daraus resultierende Brände zählt eher zu der unendlich großen Rubrik „Leichtsinn“.

Dem Brandschutz wird in der heutigen Zeit im Allgemeinen durchgängig ein sehr hoher Stellenwert beigemessen. Er kommt u. a. zum Ausdruck
  • im Baurecht, d. h. in diversen Vorschriften der Landesbauordnungen und in Sonderbauvorschriften (z.B. für Gaststätten, Versammlungsstätten, Garagen etc.),
  • in den technischen Regelwerken für spezielle Anlagen und Materialien – z.B. Lüftungs- und Leitungsanlagen, Doppel- oder Hohlraumböden, Aufzüge usw.
  • im Normen- und Vorschriftenwerk für die technischen Einzelgewerke, insbesondere der Elektroinstallation,
  • in den Installations- sowie Prüf- und Abnahmebestimmungen zu technischen Einrichtungen mit Bezug zum vorbeugenden oder abwehrenden Brandschutz (z.B. Brandmeldeanlagen, Rauch- und Wärmeabzugsanlagen, Feststellanlagen, Löschanlagen, Löschgeräten),
  • in Vorgaben zum Arbeitsrecht in Form der Arbeitsstättenverordnung bzw. -richtlinien usw.
Es existiert ein eng verzahntes Netzwerk umfangreicher Regeln und Vorschriften zum baulichen, anlagetechnischen und organisatorischen Brandschutz, die im Rahmen der europäischen Vereinheitlichung derzeit eine weitere Ausgestaltung, und zum Teil erhebliche Präzisierung und Überarbeitung erfahren.

Museen, Bibliotheken und Archive erfordern in der Regel eine objektbezogene Risikoanalyse und eine (darauf aufbauende) Brandschutz- / Sicherheitskonzeption – ausgehend von gebäude- und sammlungsspezifischen Besonderheiten, wie:
  • alleinstehend im ländlichen Gebiet, innerstädtische Lage, „Untermieter“ usw.
  • historisch, unter Denkmalschutz stehend oder modern / neuzeitlich
  • Holz- / Fachwerkgebäude, Mauerwerk, Stahlbeton etc.
  • Sammlungen mit viel Brandlasten oder „nur“ Bildergalerie, Skulpturen o. ä.
  • „klassische“ Ausstellungen oder experimentelle, moderne Installationen z.B. mit offenem Licht, Sammlungen mit Alkoholpräparaten (Explosionsschutz) usw.
Im Rahmen des Brandschutzkonzeptes sind die Gefährdungspotenziale herauszuarbeiten und die Schutzziele exakt zu bestimmen. Es gilt sowohl das Vorhandensein von Restaurierungswerkstätten und anderer Einrichtungen mit erhöhten Brandgefahren zu bewerten als auch Gefährdungen durch benachbarte und angrenzende Wohnungen oder Industrie bzw. Handwerk, der technische Zustand des Objektes, das Potenzial der örtlichen Feuerwehren, die Versorgungssituation mit Löschwasser und dergleichen mehr.

In jedem Fall sollte jede Einrichtung eng mit der örtlichen Feuerwehr zusammenarbeiten und sich beraten lassen. Eine regelmäßige Abstimmung und gegebenenfalls Übungen sind unerlässlich. Des Weiteren sind eine Sensibilisierung aller Mitarbeiter für das Thema Brand sowie regelmäßige Übungen (z.B. zu Evakuierung, Bedienung von Feuerlöschern) notwendig.

 

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