SiLK - SicherheitsLeitfaden Kulturgut

4. Diebstahl

> Fragebogen Diebstahl

 

Viele Museen, Bibliotheken und Archive bewahren unschätzbare und unwiederbringliche Sammlungen. Maßnahmen zum Schutz der Bestände und zur Sicherung vor Einbruch, Diebstahl und Beschädigung stellen angesichts spektakulärer Kunstdiebstähle in den letzten Jahren – Niederlande, Schweden, Norwegen, Österreich, aber auch Deutschland – eine wichtige Aufgabe für Betreiber dar.
Museen, Bibliotheken und Archive weisen im Unterschied zu anderen sicherungswürdigen Gebäuden bzw. Institutionen wesentliche Besonderheiten in der Risikolage auf:
  • Es sind überwiegend öffentliche Gebäude im weitgehend öffentlichen Umfeld. Es gibt selten Umzäunungen, Mauern und andere Hindernisse, die den direkten Zugang zum Gebäude verwehren.
  •  Potentiellen Tätern ist es während der Öffnungszeiten möglich, ihren Besuch zur genauen „Untersuchung“ der konkreten Präsentation, der Sicherungen vor Zugriff und Beschädigung sowie der möglichen Fluchtwege nach Tatausführung zu tarnen.
  • Im Unterschied z.B. zu Banken werden wertvollste Exponate teilweise frei zugänglich präsentiert, was den schnellen Zugriff oder Beschädigungen erleichtert.
  • So genannte Einschlusstäter (unberechtigtes Verbleiben im Gebäude nach Schließzeit mit dem Ziel der Begehung eines Straftat) stellen ein erhebliches Risiko dar, da im ungünstigsten Fall erst eine sehr späte Alarmierung erfolgt und für den / die Täter unter Umständen ein rasches Verlassen des Gebäudes über die „offiziellen“ Flucht- und Rettungswege möglich ist.
Der Schutz von Sammlungen muss daher sowohl den Schutz vor Einbruchdiebstahl durch gewaltsames Eindringen in Ausstellungs- und Depotbereiche umfassen als auch den Schutz vor Diebstahl und Beschädigung während der Öffnungszeiten.
Obwohl statistisch nicht konkret belegt, wird in Fachkreisen davon ausgegangen, dass die überwiegende Zahl der Diebstähle (bzw. Beschädigungen) während der Öffnungszeiten erfolgen. Dazu werden in erster Linie Zeiten mit wenigen Besuchern und Räume ohne Aufsichtspersonal genutzt.
Einbrüche mit nachfolgendem Diebstahl sind statistisch seltener, dafür sind in geglückten Fällen die Schäden wesentlich gravierender. Nach kriminalpolizeilicher Statistik werden über 95% aller Einbrüche durch Türen und leicht erreichbare Fenster begangen.

Die Risiken für unterschiedliche Sammlungen müssen differenziert betrachtet werden. Exponate, deren augenscheinlicher „Handelswert“ hoch ist (Gold, wertvolle Mineralien oder Bücher, Bilder), sind stärker gefährdet als z.B. paläontologische oder zoologische Bestände.
Dieser „materielle“ Wert darf jedoch nicht zur alleinigen Grundlage für den Sicherungsumfang herangezogen werden – ein verloren gegangenes oder unwiederbringlich beschädigtes Typusexemplar der Zoologie ist von immensem ideellem Wert und daher in gleicher Weise zu schützen.

Zu einem optimalen, funktionierenden Sicherungssystem in Gebäuden gehören
1. baulich-mechanische,
2. elektronische und
3. personell-organisatorische Sicherungsmaßnahmen.
Diese weiter unten näher erläuterten Maßnahmen ergänzen sich und sind so aufeinander abzustimmen, dass erkannte Risiken auf ein allseits vertretbares Maß reduziert, Personen geschützt und Sachwerte vor Verlust und Schädigung bewahrt werden.

In Gebäuden mit hohen Anforderungen an den Sachschutz kollidiert oftmals die Notwendigkeit des sicheren Abschlusses von Bereichen mit den aus Gründen des Personenschutzes (Rettungswege) erforderlichen, frei zu haltenden Erschließungswegen und Zu- bzw. Ausgängen.
Der Planung von Gefahrenmeldeanlagen muss daher stets eine Risikoanalyse und -bewertung sowie ein darauf aufbauendes Sicherungskonzept vorausgehen, in welchem auch baulich-mechanische Maßnahmen (Türen, Fenster, Sicherheitsbereichsgrenzen, Brandabschnitte) sowie die Notwendigkeiten der Erschließung des Gebäudes für Personal, Besucher, Nutzer und Reinigungs- bzw. Servicekräfte berücksichtigt werden.
Zu beachten sind aktuelle EN– und DIN–VDE-Normen (EN = Europanorm; DIN = Deutsches Institut für Normung; VDE = Verband der Elektrotechnik) sowie die Richtlinien des Verbandes der Sachversicherer (VdS) zur mechanischen Stabilität von Fenstern und Türen sowie elektronischen Sicherungsmaßnahmen („EMA“ = Einbruchmeldeanlage). Grundlage für Planung, Einbau, Betrieb und Instandhaltung der EMA bilden die Richtlinien des Verbandes der Schadensversicherer (VdS-RL) 2311 einschließlich aller damit im Zusammenhang stehender VdS-Richtlinien, die seit 2009 neu herausgegebene VdS-Richtlinie 3511 „Sicherungsrichtlinien für Museen und Ausstellungshäuser“ sowie die DIN–VDE 0833 Teile 1 und 3 „Gefahrenmeldeanlagen für Brand, Einbruch und Überfall“.

Bei Einbruchmeldeanlagen mit direkter Aufschaltung auf den Polizeinotruf gemäß Richtlinie für Überfall- und Einbruchmeldeanlagen (ÜEA-RL) mit Anschluss an die Polizei ist die Installation nach der oben genannten Richtlinie in Klasse C (höchste Sicherungsklasse nach VdS 2311, siehe Punkt „elektronische Sicherungsmaßnahmen, Einbruch- und Überfallmeldeanlagen) Voraussetzung.
Genannte Vorschriften in der jeweils gültigen Fassung sind zur Gewährleistung der Zwangsläufigkeit und der Verhinderung von Falschalarmen zwingend einzuhalten. Gegebenenfalls erforderliche Abweichungen sind in jedem Fall mit der zuständigen Polizeidienststelle (meist Landeskriminalamt, Abteilung Prävention) abzustimmen.
Baulich-mechanische Maßnahmen haben wesentlichen Einfluss auf die Verhinderung bzw. Verzögerung eines Angriffs auf schutzwürdige Bereiche oder Objekte, während elektronische Maßnahmen einen Angriff „nur“ signalisieren. Die Sicherstellung bzw. Schaffung eines hohen mechanischen Widerstandswertes der Gebäudehülle bzw. einzelner Räume, Vitrinen etc. bildet daher die Grundvoraussetzung aller darauf aufbauenden elektronischen Maßnahmen.

Ein optimales Schutzkonzept gegen Einbruch und Diebstahl setzt voraus, dass ein Angriff so frühzeitig wie möglich detektiert und nachfolgend durch entsprechend hohe mechanische Barrieren bzw. längere Wege bis zu schutzwürdigen Bereichen / Objekten eine schnelle Tatausführung verhindert wird. Die zwischen Detektion (Auslösung eines Einbruchmelders) eines Einbruchs und / oder Diebstahls und Vollendung des Diebstahls liegende Zeitspanne wird als Widerstandszeitwert bezeichnet. Je größer diese Zeitspanne ist, desto wahrscheinlicher ist es, die Vollendung der Straftat zu verhindern und den Täter durch alarmierte Kräfte (Polizei, Wachunternehmen) zu ergreifen.


I. Baulich-mechanische Maßnahmen
Unter diesem Begriff werden alle Maßnahmen zusammengefasst, die eindringenden Tätern oder im Haus befindlichen Besuchern den direkten, schnellen Zugriff auf Sammlungsstücke erschweren oder weitgehend unmöglich machen sollen.

Zäune, Einfriedungen und deren Tore / Pforten
Eine erste mechanische Barriere stellt die Umfriedung eines Grundstückes dar. Neben der psychologischen Wirkung („hier beginnt fremdes Eigentum, Überwindung dieser Grenze ist strafbar, zumindest Hausfriedensbruch“) kann schon diese Barriere mechanisch so stabil gestaltet werden, dass deren Überwindung dem Eindringling Zeit kostet und auch die Gefahr der Entdeckung erhöht.
Mit der Höhe und der Stabilität der Umfriedung wachsen die psychologische Barriere und die Überwindungszeit. Von optimaler Höhe kann ab 2,50 m aufwärts ausgegangen werden. Damit sind – zumindest bei glattem Mauerwerk oder engmaschigem Zaun – zum Überwinden Hilfsmittel erforderlich. Stabile Zäune müssen aus mindestens 6 mm starkem Metallgitter bestehen, die Pfosten sind in Beton ausreichend tief zu gründen und ein Unterkriechschutz ist vorzusehen (Betonsockel o.ä.).
In Verbindung mit auf der Mauer- oder Zaunkrone angebrachten sog. Abweisern wird dem potentiellen Täter die Überwindung weiter erschwert. 
Bei Baum- und Strauchbewuchs direkt an Umfriedungen ist zu beachten, ob diese als Kletterhilfen genutzt werden können.
Letztlich ist jeder Zaun, jede Mauer überwindbar. Für die Verlängerung des Widerstandszeitwertes sind derartige Umfriedungen jedoch dann von besonderer Bedeutung, wenn sie mit elektronischen Meldern gekoppelt werden (siehe 2. Elektronische Sicherungsmaßnahmen). Diese Maßnahmen müssen vor allem auch dann in Betracht gezogen werden, wenn die Umfriedungen nicht den Anforderungen an Höhe und Stabilität entsprechen bzw. aus denkmalpflegerischen Gründen nicht angepasst werden können.

Gebäudehülle
Außenwände und Dach des zu schützenden Gebäudes werden als Gebäudehülle bezeichnet, darin befindliche Öffnungen (Türen, Fenster etc.) werden in einem weiteren Abschnitt separat behandelt.
Die Risikobeurteilung der Gebäudehülle erfolgt unter folgenden Gesichtspunkten:
  • Steht das Gebäude allein oder grenzt es an Nachbargebäude?
  • Sind in den Trennwänden zu Nachbargebäuden Öffnungen vorhanden, ist der Weg über das Dach von einem Gebäude zum anderen möglich?
  • Besteht die bauliche Hülle aus widerstandsfähigem Baustoff (Beton oder Mauerwerk in entsprechender Stärke) oder leicht durchdringbarem Material (Fachwerk mit Lehm-/ Strohfachungen, Holz)?
  • Wie hoch ist das Gebäude? Gibt es Kletterhilfen wie Blitzableiter, Nottreppen oder auch alter Weinbewuchs?
Da ein bestehendes Gebäude in seiner Lage, äußeren Form und Gestaltung nicht oder nur schwer an Sicherungserfordernisse angepasst werden kann, stellt die Kenntnis der Risiken und deren Beurteilung überwiegend nur die Grundlage für umzusetzende elektronische Sicherungsmaßnahmen dar (siehe dort). Sind vereinzelt bauliche Verbesserungen möglich (z.B. das Vermauern von Durchbrüchen zu Nachbarhäusern), sind diese umzusetzen.

Türen und Fenster
Diese Öffnungen in der Gebäudehülle sind die Schwachstellen eines Gebäudes. Leicht erreichbare Fenster werden von Einbruchtätern zu mehr als 70 % genutzt, um in ein Gebäude einzudringen.
Zu bewerten sind zunächst die Lage der Fenster und Türen sowie deren Einsehbarkeit (an stark frequentierter Straße oder an der Gebäuderückseite, auf Höfen und zu Nachbargebäuden, beleuchtete Fassade etc.).
Als weiteres Kriterium ist die Erreichbarkeit der Fenster nach ihrer Höhe über dem umgebenden Gelände zu beurteilen. Bis zu einer Höhe von 6 m über Gelände wird nach den Einschätzungen der Kriminalpolizei vom so genannten „Handbereich“ ausgegangen. Weiterhin spielen hier solche Risiken wie  Kletterhilfen an der Fassade, begehbare Simse unterhalb der Fensterbrüstungen, Übersteigmöglichkeiten von Nachbargebäuden, Balkone etc. eine Rolle, wodurch sich der „Handbereich“ auch nach oben ausweiten kann.
Vergitterungen tragen vor allem aus Gründen der Abschreckung zur Risikominimierung bei, da sich Einbruchtäter zunächst auf Fenster ohne Vergitterung konzentrieren. Bezüglich des Widerstandszeitwertes können außen, vor der Überwachungsebene (EMA-Melder) liegende Gitter oder auch Rollläden nicht berücksichtigt werden, da sie mit modernem Werkzeug in relativ kurzer Zeit entfernt bzw. geöffnet werden können. Gitter mit integrierten Einbruchmeldern, deren Zerstörung über die Einbruchmeldeanlage angezeigt wird, können demgegenüber den Widerstandszeitwert erheblich verlängern.
Die mechanische Stabilität der Türen und Fenster (Holz oder Kunststoff,  Einfach-, Doppel-, Kastenfenster, Bänder und Verriegelung, Glasqualität etc.) ist ein besonders wichtiger Faktor zur Erschwerung bzw. Verhinderung von Einbruchdiebstählen.
Grundsätzlich muss zur Beurteilung dieser Stabilität das gesamte Fenster- bzw. Türelement herangezogen werden. Dazu gehören der umlaufende Rahmen und dessen stabile Verankerung im Mauerwerk, das Fenster- und Türblatt (einschließlich eventueller Glasausschnitte) selbst, Lage und Stabilität der verwendeten Bänder und Verriegelungen sowie Verschlussmöglichkeiten einschließlich Schließzylinder (siehe Schließanlage). Einbruchhemmende Fenster und Türen sind in unterschiedlichen, genormten  Widerstandsklassen nach VdS, EN und DIN erhältlich.

Mechanische Sicherung von Einzelobjekten
Die in Ausstellungen präsentierten Sammlungsstücke erfordern eine dem Kunstgut und der Art der Präsentation angemessene Befestigung. Ob freistehend, auf einem Sockel, Podest oder an der Wand – die Befestigung sollte stets so ausgeführt werden, dass eine schnelle Wegnahme verhindert oder zumindest erschwert wird. Dazu sind Befestigungsmittel (z.B. Schrauben) nutzbar, die nicht oder nur mit Spezialwerkzeug gelöst werden können.
In vielen Fällen ist es möglich, Kunstgut außerhalb der Reichweite von Besuchern zu präsentieren oder mittels (auch nur optischer) Barrieren einen solchen Abstand herzustellen. Vitrinen mit entsprechend hohem mechanischem Widerstand bieten den besten Schutz gegen Diebstahl im Tagbetrieb sowie gegen rasche Tatausführung im Verlaufe eines Einbruchs.

Schließanlage
Zur Regelung des Zutritts und zur Gewährleistung des sicheren Verschlusses aller Türen (und Fenster) ist in größeren Häusern in der Regel eine Generalschließanlage erforderlich.
Entsprechend der erteilten Zutrittsberechtigungen sind die erforderlichen Schlüssel zu verteilen, die Ausgabe von Schlüsseln ist zu dokumentieren und klar festzulegen, dass jeder Schlüsselverlust sofort anzuzeigen ist. Der Generalschlüssel ist möglichst nicht bzw. nur an leitende Mitarbeiter auszugeben und für Notfälle in einem Schlüsseltresor aufzubewahren (z.B. Feuerwehr-Schlüsselkasten). An Fremdpersonal, z.B. externe Reinigungskräfte, sollten keine Schlüssel ausgehändigt werden, die sie in die Möglichkeit versetzen, unkontrolliert sicherheitsrelevante Bereiche zu betreten.
Zur Qualität der Zylinder und Türbeschläge sind ebenfalls VdS-Richtlinien, EN und DIN zu Rate zu ziehen (z.B. VdS-RL 2201 – „Zylinderschlösser“, VdS-RL 2156 – „Schließzylinder“, VdS-RL 2113 – „Türschilder“). Darin werden qualitative Anforderungen an die entsprechenden Produkte hinsichtlich Überwindbarkeit, Nachschließ- (erhöhte Sicherheit gegen das Austasten der Schließbolzen im Schloss) und Aufbohrschutz etc. formuliert, die bei der Ausstattung von Türen in festgelegten Widerstandsklassen Berücksichtigung finden müssen.


II. Elektronische Sicherungsmaßnahmen
Zu den elektronischen Sicherungsmaßnahmen gehören alle technischen Systeme, die dazu dienen, einen Einbruch in das Gebäude oder die Wegnahme von präsentiertem Sammlungsgut zu melden, ausschließlich Berechtigten Zutritt in zu schützende Bereiche zu gewähren, diese Bereiche oder deren Vorfeld visuell zu überwachen und eine Hilfe leistende Stelle unverzüglich zu informieren. Sie können Diebstähle nicht direkt verhindern, spielen aber im Rahmen der Erhöhung des Widerstandszeitwertes eine entscheidende Rolle, da ein Angriff auf Gebäude, gesicherte Bereiche oder Exponate in den Ausstellungen frühzeitig gemeldet wird
Installierte elektronische Systeme können ihre Aufgabe nur dann effektiv erfüllen, wenn alle Komponenten eines Sicherungssystems als Einheit betrachtet und geplant werden (Schutzkonzept siehe oben).

Einbruch- und Überfallmeldeanlagen
In jedem Museum ist eine solche Anlage – egal, in welcher Dimension und Ausbaustufe – eine der Grundbausteine für ein Sicherungssystem. Sie besteht aus Einbruch- / Überfallmeldezentrale, Übertragungseinrichtung und angeschlossenen Meldern, verbunden mit der Zentrale durch ein Kabelnetz oder per Funk. 
Der Verband der Sachversicherer kategorisiert Einbruchmeldeanlagen (EMA) nach Schadensrisiko in 6 Sicherungsstufen (1 = geringstes Risiko, 6 = höchstes Risiko gemäß VdS 2311 – „Richtlinie für Einbruchmeldeanlagen, Planung und Einbau“). Diesen Risiken werden in drei VdS-Klassen A, B und C  die geprüften Einbruchmeldeanlagen und Melder zugeordnet, wobei ab Sicherungsstufe 3 eine EMA nach VdS-Klasse C verpflichtend installiert werden muss (Ausnahmen können durch die Polizei oder den Sachversicherer entschieden werden). 
Museen, Archive und Bibliotheken – zumindest die Ausstellungs- und Depoträume oder andere Bereiche mit wertvollem Kunstgut – sind aufgrund ihres Schadensrisikos überwiegend in die Sicherungsstufe 3 eingeordnet, was die Installation einer EMA nach VdS-Klasse C bedingt.

Im Unterschied zu geringeren VdS-Klassen weisen die EMA der VdS-Klasse C einen erhöhten Schutz gegen Überwindungsversuche und eine weitgehende Überwachung der sicherheitsrelevanten Funktionen auf. Die Scharfschaltung dieser Anlage muss neben einem materiellen Informationsträger (Schlüssel, Chip) zusätzlich mittels eines geistigen Informationsträgers (PIN, Code) erfolgen.
EMA in Museen sollten stets von einem VdS-zugelassenen Sicherheitstechniker eingebaut werden. Dieser ist verpflichtet, die Bestimmungen der VdS-Richtlinien umzusetzen und in einem vorgeschriebenen VdS-Attest zu dokumentieren.
Durch EMA lassen sich ebenso Personenschutzaufgaben umsetzen, wenn z.B. Überfallmelder angeschlossen werden (z.B. Handtaster, deren Auslösung unmittelbar zur Polizei als Überfallalarm weiter geleitet wird). EMA und Überfallmeldeanlagen (ÜMA) können entweder kombiniert oder als eigenständige Anlagen ausgeführt werden.
EMA-Melder, die Angriffe auf ein Museumsgebäude so früh wie möglich detektieren und weiter melden sollen, lassen sich unterscheiden in:
  • Melder zum Perimeterschutz (Detektion von Annäherungen an ein Gebäude, z.B. Lichtschranken),
  • Außenhautschutz (Einbruchmeldung bei Angriffen auf die Gebäudehülle, z.B. Öffnungs- und Verschlussüberwachung als Magnet- und Riegelkontakte, Durchbruchüberwachung als Glasbruch- oder Körperschallmelder), 
  • Innenschutz (Bewegungsdetektion im Gebäude mittels z.B. Bewegungsmeldern), 
  • Objektschutz (Einzelobjektsicherung, z.B. Bildersicherungssysteme).
Die einzelnen Melder aufzuzählen oder Funktionsprinzipien zu erläutern, würde an dieser Stelle zu weit führen. Sie sind in den VdS-Richtlinien 3511 und 2311 ausführlich beschrieben.
Mittels EMA lassen sich auch unterschiedliche Sicherungsaufgaben bei geöffnetem oder geschlossenem Museum oder Teilen des Museums erfüllen. Während nachts z.B. alle Bereiche bzw. Melder scharf geschaltet sind, werden tagsüber nur die Bereiche unscharf geschaltet, in denen sich Besucher und Mitarbeiter aufhalten. Nicht ständig begangene Depots können ständig scharf geschaltet bleiben und nur durch berechtigtes Personal unscharf geschaltet werden. Auch die Fenstersicherung oder Einzelobjektsicherungen können ständig geschärft bleiben und nur zu Reinigungszwecken oder zum Wechsel der Exponate unscharf geschaltet werden.
Zur Lösung des erwähnten Zielkonflikts zwischen der Pflicht zur Freihaltung der Rettungswege und gesicherten, verschlossenen Türen werden in Museen, Archiven und Bibliotheken zunehmend Rettungswegsicherungssysteme (RWS) eingesetzt, welche bauaufsichtlich zugelassen sein müssen und eine verriegelte Tür im Notfall freigeben.
Diese Systeme können sowohl mit der Einbruchmeldetechnik verknüpft werden, um die Freigabe der Verriegelung zu melden als auch mit der Brandmeldezentrale, um im Brand- oder Notfall die Verriegelung aufzuheben.  
Auch Zutrittskontrollanlagen (siehe unten) können in die Einbruchmeldeanlage eingebunden werden, um z.B. bei unscharfem Bereich nur autorisiertem Personal den Zutritt zu gewähren, ebenso Videokameras zur Verifizierung der Zutrittsberechtigung.
Meldet ein Einbruchmelder bestimmungsgemäß einen Angriff, wird über die Einbruchmeldezentrale (EMZ) Alarm ausgelöst. Dieser kann intern (nur an eigenes Aufsichts- oder Wachpersonal), extern (mittels optischer und akustischer Signalgebung an die anonyme Öffentlichkeit, z.B. Anwohner, Passanten) oder als Fernalarm (über Daten- / Telefonleitung an Polizei oder Zentrale eines Wachunternehmens) erfolgen. Bei EMA der Klassen B und C ist nach VdS-Richtlinie ein Fernalarm vorgeschrieben.

Zutrittskontrollanlagen (ZKA)
Mit dem Einsatz von Zutrittskontrollanlagen wird erreicht, dass bestimmte Bereiche oder Räume (z.B. Depots, die Sicherheitszentrale) nur von autorisiertem Personal begangen werden. Hierfür sind an den Zugangstüren Zutrittskontroll-Leser erforderlich, die die Zugangsberechtigung anhand mechanischer, elektronischer oder auch zunehmend biometrischer Daten erkennen und freigeben bzw. verhindern.
Mit einer Zutrittskontrollanlage ist es auch möglich zu registrieren, wann welcher Raum von wem betreten und verlassen wurde, sofern die Datenträger einer konkreten Person zugeordnet werden . 

Videokontrolle
Der Einsatz von Videotechnik in Museen gewinnt zunehmend an Bedeutung, allerdings nur zur Unterstützung und nicht als Ersatz für Aufsichts- bzw. Wachpersonal. Sichtbare Videokameras tragen zur Erhöhung der Täterhemmschwelle bei. Per Kamera lassen sich Erkenntnisse zur Situation in Schwerpunktbereichen gewinnen, die Bilder können aufgezeichnet werden und damit auch zur nachträglichen Bewertung eines Vorkommnisses und bei anspruchsvoller Technik auch der Identifizierung von Tätern herangezogen werden.
Grundsätzlich sind datenschutzrechtliche Bestimmungen zu beachten und das Vorhandensein einer Videokontrollanlage durch ein Bildzeichen oder ähnliches anzuzeigen.
Wichtige Einsatzgebiete in Museen sind:
  • Die Kontrolle und Videoaufzeichnung des Besucherverkehrs mit dem Ziel der „Erweiterung“ des Aufsichtsbereiches des Personals und der Nachvollziehbarkeit von erst nach einiger Zeit festgestellter strafbarer Handlungen.
  • Identifizierung von „verdächtigen“ Besuchern und Bewertung von Tathergängen nach festgestellter Straftat durch die Übergabe des gespeicherten Materials an die Polizei.
  • Kontrolle der Rettungswege.
  • Alarmvorprüfung: Nach einem Einbruch- oder auch Brandmeldealarm bzw. einem Alarm aus der Videotechnik selbst (Bewegungssensorik) ist es dem Wachpersonal zunächst ohne direkte personelle Intervention möglich, die Situation in der Umgebung des ausgelösten Alarms zu prüfen und somit bei Falschauslösung auf personellen Einsatz zu verzichten oder aber unverzüglich die Polizei zu informieren.
  • Kompensation oder Unterstützung der Perimeterüberwachung (siehe oben / EMA - Melder) im Außengelände durch Einsatz von Bewegungssensoren (Bildänderungen durch Bewegungen werden erkannt, bewertet und bei Überschreitung vorgegebener Parameter, z.B. „größer als Katze“, weitergemeldet).
Eine der Videokontrollanlage angemessene Außenbeleuchtung trägt zudem zur Erhöhung der Hemmschwelle für Einbruchtäter bei.


III. Personell-organisatorische Maßnahmen
Die Direktion trägt die Verantwortung dafür, dass Risiken für Sammlungsgut angemessen erfasst, bewertet und die nach dem Sicherungskonzept festgelegten Maßnahmen umgesetzt werden.
Für ein Gesamtkonzept „Sicherheit für Kunstschätze“ sind personell-organisatorische Maßnahmen unabdingbar für die Entscheidung und den richtigen, adäquaten Einsatz von baulich-mechanischen sowie elektronischen Sicherungsmaßnahmen, für die laufende Kontrolle deren Wirksamkeit und die Nutzung der eingesetzten Technik zur Unterstützung des Sicherheitspersonals.
Im Rahmen dieser Verantwortung sind festzulegen:
  • Bestellung eines Sicherheitsverantwortlichen für alle Sicherungsmaßnahmen, deren Koordination und stetiger Prüfung der Wirksamkeit sowie zur Erarbeitung von Vorschlägen für Verbesserungen.
  • Einweisungen für das Personal zu besonderen Gefahrensituationen und Vorgeben von Handlungsanweisungen.
  • Notfall- und Evakuierungspläne (Beispiele in der VdS-RL 3434 „Leitfaden für die Erstellung von Evakuierungs- und Rettungsplänen für Kunst- und Kulturgut“).
  • Zutrittsberechtigungen anhand der internen Struktur und deren Kontrolle zur Minimierung von Diebstählen durch „Innentäter“; Festlegung der Sicherungs- („Scharfschalt“-) bereiche.
  • Anweisungen über die Handhabung der mechanischen und elektronischen Sicherungseinrichtungen.
  • Anzahl und Verteilung von Aufsichts- und Wachpersonal und Vorhalten einer ständig besetzten Stelle im eigenen Haus oder Übergabe an Fremdpersonal, regelmäßige Schulung dieses Personals.
  • Organisation der Kontrolle der Ausstellungs- / Öffentlichkeitsbereiche nach Schließung auf ggf. noch anwesende Fremdpersonen.
  • Festlegung zum Umgang mit Fremdpersonal und deren Kontrolle (Reinigung, Wartung technischer Anlagen etc.)
  • Vorgaben zur Nutzung von Sammlungsgut, sofern für z.B. wissenschaftliche Bearbeitung zugänglich (nur unter Aufsicht, Abgabe von Garderobe und Taschen, Kennzeichnung mit elektronischem Buchsicherungsstreifen, keine Schreibgeräte mit Tinte etc.) 
Die vollständige Inventarisierung des Sammlungsbestandes ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Kontrolle über das Kunst- und Kulturgut und nach einem Diebstahl dringend erforderlich als Fahndungshilfe und Nachweis des ursprünglichen Besitzers. Das Inventarverzeichnis muss in einem sicheren, mittels EMA geschützten Bereich untergebracht sein. Inventare auf Datenträgern bzw. zumindest deren Sicherungskopie sind ebenso sicher zu lagern (ideal: Ort außerhalb der Einrichtung).

 

> Fragebogen Diebstahl

> Wissenspool Diebstahl