Sprache: Deutsch English

SiLK - SicherheitsLeitfaden Kulturgut

12. Unwetter

> Fragebogen Unwetter

 

Unter dem Begriff Unwetter sind verschiedene Naturereignisse mit teilweise unterschiedlicher Intensität und Auswirkung zusammengefasst, beispielsweise:

  • Stürme / Orkane
  • räumlich eng begrenzte Starkwindereignisse (Tornado)
  • Starkniederschläge (in Verbindung mit Gewitter, Hagel oder Graupel) oder Dauerregen
  • extreme Schneefälle
  • starkes Tauwetter
  • Glätte

Extreme Hitze bzw. Kälte zählen nicht zu den klassischen Unwetterereignissen, können aber dennoch zu weitreichenden Schäden führen.

Sturm und Orkan
Winde mit großer Heftigkeit werden je nach Geschwindigkeit als Sturm (Windstärken 9 bis12 mit Windgeschwindigkeiten von 75 bis 118 km/h) oder Orkan (Windstärke > 12 mit Windgeschwindigkeiten > 118 km/h) bezeichnet. Kurzzeitige Windgeschwindigkeiten von mindestens 118 km/h werden Orkanböen oder orkanartige Böen genannt.
Die Einteilung der verschiedenen Winde erfolgt mittels der Beaufort-Skala, benannt nach dem englischen Admiral Sir Francis Beaufort (1774-1857, erarbeit 1806). Mit dieser Skala ist es möglich, anhand der Auswirkungen des Windes die Windstärke abzuschätzen.

 

Wind-
stärke
(Beaufort-
Grad)
Bezeichnung Mittlere Windgeschwindigkeit
in 10 m Höhe über
freiem Gelände
m/s     km/h
Beispiele für die Auswirkung des Windes im Binnenland
 0  Windstille  0-0,2  < 1 Rauch steigt senkrecht auf
 1  leiser Zug  0,3-1,5  1-5 Windrichtung angezeigt durch den Zug des Rauches
 2 leichte Brise  1,6-3,3 6-11 Wind im Gesicht spürbar, Blätter und Windfahnen bewegen sich
 3 schwache Brise
schwacher Wind
 3,4-5,4  12-19 Wind bewegt dünne Zweige und streckt Wimpel
 4 mäßige Brise
mäßiger Wind
 5,5-7,9  20-28 Wind bewegt Zweige und dünnere Äste, hebt Staub und loses Papier
 5 frische Brise
frischer Wind
 8,0-10,7  29-38 kleine Laubbäume beginnen zu schwanken, Schaumkronen bilden sich auf Seen
 6 starker Wind  10,8-13,8  39-49 starke Äste schwanken, Regenschirme sind nur schwer zu halten, Telegrafenleitungen pfeifen im Wind
 7 steifer Wind  13,9-17,1  50-61 fühlbare Hemmungen beim Gehen gegen den Wind, ganze Bäume bewegen sich
 8 stürmischer Wind  17,2-20,7  62-74 Zweige brechen von Bäumen, erschwert erheblich das Gehen im Freien
 9 Sturm  20,8-24,4  75-88 Äste brechen von Bäumen, kleinere Schäden an Häusern (Dachziegel oder Rauchhauben abgehoben)
 10 schwerer Sturm  24,5-28,4  89-102 Wind bricht Bäume, größere Schäden an Häusern
 11 orkanartiger Sturm  28,5-32,6  103-117 Wind entwurzelt Bäume, verbreitet Sturmschäden
 12 Orkan  ab 32,7  ab 118 schwere Schäden


Tabelle 1: Beaufort-Skala (Wetterlexikon des Deutschen Wetterdienstes, www.dwd.de)

Starkwindereignis (Tornado)
Als Tornado, umgangssprachlich Windhose, werden Luftwirbel mit einer fast senkrechten Drehachse bezeichnet. Prinzipiell ist immer und überall mit dem Auftreten eines Tornados zu rechnen.
Zur Klassifizierung der Intensität von Tornadowinden dient die sogenannte Fujita-Skala, benannt nach dem japanischen Meteorologen Tetsuya Theodore Fujita (1920-1998, erarbeitet 1971). In Abhängigkeit zur Windgeschwindigkeit erfolgt die Einteilung in Kategorien. Die Skala umfasst insgesamt 13 Stufen (F0 bis F12), wobei die Werte ab Stufe F6 bisher nicht beobachtet wurden und demzufolge nur theoretischer Art sind.

 

Fujita-
Skala
Zerstörungskraft
der Tornados
Windgeschwindigkeit
(1 mpg = 1,609344 km/h)
mph    km/h
Beispiele für die Auswirkungen von Tornados
 F0  leicht  40-72  64-116 F0 wurde eingeführt um Tornados unterhalb von 117 km/h (Beaufort 11) zu klassifizieren.
Schornsteine und Reklametafeln werden demoliert, Äste abgebrochen und flach wurzelnde Bäume umgestoßen.
F1 mäßig  73-112 117-180 Autos werden von den Straßen geschoben, Wohnmobile umgeworfen, Wellblech bzw. Dachziegel abgerissen und Garagenbauten zerstört.
F2  bedeutend  113-157 181-253 Leichtere Gegenstände werden als gefährliche Wurfgeschosse durch die Luft gewirbelt, ganze Dächer abgedeckt, große Bäume gebrochen bzw. entwurzelt, Wohnwagen zerstört und Güterwaggons umgeworfen.
 F3  stark  158-206  254-332 Dächer und Wände von stabilen Häusern werden zerstört, LKWs umgeworfen bzw. verschoben, Züge zum Entgleisen gebracht und ganze Wälder entwurzelt.
 F4  verheerend  207-260 333-418 Häuser werden völlig zerstört, Gebäude mit schwachen Fundamenten als Ganzes weggeweht bzw. verschoben, große Gegenstände und Autos durch die Luft geschleudert und schwere Gegenstände zu gefährlichen Projektilen gemacht.
 F5  unglaublich  261-318  419-512 Stabile Gebäude werden aus ihren Fundamenten gehoben. Autos fliegen mehr als 100 Meter durch die Luft. Stahlbetonkonstruktionen werden beschädigt und sogar Baumstämme entrindet.
 F6 bis F12  unfassbar  > 318  > 512 Es handelt sich um theoretische Werte, die bisher nicht beobachtet wurden.


Tabelle 2: Fujita-Skala (Wetterlexikon des Deutschen Wetterdienstes, www.dwd.de)

Niederschläge (Regen und Schnee)
Die Meteorologie bezeichnet als Niederschlag Wasser, das infolge der Schwerkraft in flüssiger (Regen) bzw. fester Form (Hagel, Graupel, Schnee) auf die Erde fällt.
Zur Klassifizierung eines unwetterartigen Niederschlagsereignisses wird die Niederschlagsmenge (bei Regen) bzw. -höhe (bei Schneefall) innerhalb eines Zeitintervalls angegeben. Dabei wird zwischen Starkregen, ergiebigem und extrem ergiebigem Dauerregen sowie Schneefall und Schneeverwehungen unterschieden.
In der nachfolgenden Tabelle sind die wesentlichen Richtgrößen zur Unwettercharakteristik eines Niederschlagsereignisses angegeben:

 

Meteorologische
Erscheinung
 Schwellenwert   Bezeichnung 
 Starkregen  > 25 l/m² in 1 Stunde
> 35 l/m² in 6 Stunden
 Heftiger Starkregen
 Dauerregen  > 40 l/m² in 12 Stunden
> 50 l/m² in 24 Stunden
> 60 l/m² in 48 Stunden
 Ergiebiger Dauerregen
 verbreitet
> 70 l/m² in 12 Stunden
> 80 l/m² in 24 Stunden
> 90 l/m² in 48 Stunden
 Extrem ergiebiger Dauerregen
 Schneefall  bis 800 Höhenmeter:
> 10 cm in 6 Stunden
> 15 in 12 Stunden
über 800 Höhenmeter:
> 30 cm in 12 Stunden
 Starker Schneefall
 bis 800 Höhenmeter:
> 25 cm in 12 Stunden
über 800 Höhenmeter:
> 50 cm in 12 Stunden
 Extrem starker Schneefall
  Schneeverwehung    Neuschnee oder
lockere Schneedecke > 10 cm
und wiederholt Böen ab 8 Bft
 Starke Schneeverwehung
 Neuschnee oder
lockere Schneedecke > 25 cm
und wiederholt Böen ab 8 Bft
  Extrem starke Schneeverwehung  


Tabelle 3: Unwetterartige Niederschläge (Warnkriterien Deutscher Wetterdienst)

Gewitter
Gewitter, meist begleitet von starken Winden und kräftigen Niederschlägen in Form von Regen oder Hagel, sind Entladungen zwischen unterschiedlichen elektrischen Feldern in der Atmosphäre oder zwischen Atmosphäre und Erdoberfläche, die als Blitz (optisches Merkmal) und Donner (akustisches Merkmal) wahrgenommen werden.
Aufziehende Gewitter sind an den typischen, bedrohlich wirkenden schwarzblauen Wolken – Cumulonimbus genannt – zu erkennen. Einer positiven Ladung im oberen Teil einer Gewitterwolke steht eine negative Ladung im unteren Teil gegenüber. Analog verhält es sich mit den Temperaturen innerhalb der Wolke: Im positiven Ladungsbereich liegt sie bei ca. -30 °C, im negativen bei ca. -15 °C.
Dieses Temperaturgefälle verursacht starke Auf- und Abwinde mit hohen Geschwindigkeiten. Hierbei erfolgt ein Zusammenstoß der Wassertropfen und Eisteilchen. Dieser, gemeinsam mit den wechselnden Aggregatzuständen des Wassers, ist die Ursache des Auf- und Entladungsprozesses.
Entsprechend der Anzahl der elektrischen Entladungen wird die Intensität eines Gewitters beschrieben. Ein leichtes oder mäßiges Gewitter ist durch wenige oder regelmäßige Blitze charakterisiert. Bei einem starken Gewitter mit einer großen Anzahl von Blitzen können diese keinem Donner mehr zugeordnet werden.

Starkes Tauwetter
Eine Schneedecke taut ab, wenn die bodennahe Lufttemperatur den Gefrierpunkt überschreitet. Je größer dieser Temperaturunterschied ist, desto schneller geschieht dies. Gleichzeitig auftretende ergiebige Niederschläge beschleunigen das Abtauen einer vorhandenen Schneedecke.
Kann der Erdboden das Wasser nicht aufnehmen, weil der Boden gesättigt oder noch gefroren ist, fließt das Tau- und Regenwasser besonders schnell ab. Dies begünstigt die Entstehung von Hochwasser an Bächen und Flüssen.
Tauwetter wird dann als Unwetter charakterisiert, wenn (ergiebiger) Dauerregen bei einer vorhandenen Schneedecke von über 15 cm eintritt.

Glätte
Eisablagerungen am Boden bzw. an Gegenständen werden mit dem Sammelbegriff Glätte bezeichnet. Hierbei unterscheidet man zwischen Eisglätte und Glatteisbildung.
Eisglätte entsteht durch Gefrieren von Wasseransammlungen (z.B. Schmelzwasser). Das Gefahrenpotential bei dieser Glätteform besteht darin, dass mit dem Auftreten im Allgemeinen nicht gerechnet wird.
Glatteis ist das sofortige Gefrieren von unterkühltem Regen am Erdboden und an Gegenständen. Es tritt aber auch dann (kurzzeitig) auf, wenn die Wassertropfen nicht unterkühlt sind, aber auf unterkühlte Gegenstände oder gefrorenen Boden fallen.

Die Themen "extreme Wärme" und "extreme Kälte" werden im Fragebogen des Kapitels "Klima" behandelt.


Prävention – Begrenzung der Auswirkungen

Allgemeine präventive Maßnahmen
Um ausreichende Schutzmaßnahmen durchführen oder veranlassen zu können, ist eine frühzeitige Benachrichtigung oder Warnung unabdingbar. Über die Medien (Rundfunk, Presse, Internet) wird in der Regel frühzeitig vor dem Eintreten eines Unwetters gewarnt. Zusätzlich bieten verschiedene Internetportale, z.B. die Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes (www.dwd.de), die Möglichkeit, über einen E-Mailgesteuerten Verteildienst regional und zeitlich präzisierte Informationen zu erhalten.
Im weiteren zeitlichen Verlauf sind die Unwetterwarnungen anhand der objektbezogenen Besonderheiten der Einrichtung zu bewerten und die entsprechenden Schutzmaßnahmen zu veranlassen. Zu diesem Zweck ist es notwendig, im Vorfeld eine auf die gesamte Liegenschaft bezogene Risikoanalyse zu erstellen. In dieser sind – abhängig von den unterschiedlichen Unwetterszenarien – mögliche Schadensbilder zu ermitteln und Schutzmaßnahmen zur Minimierung oder Vermeidung eines Schadens festzulegen. Gleichzeitig sind reaktive Maßnahmen zu planen, die die Auswirkungen eines eingetretenen Schadens verringern. Eine klare Zuweisung der Maßnahmen zu den Akteuren (personen- und / oder funktionsgebunden), unter Berücksichtung der technischen und organisatorischen Voraussetzungen, stellt die Anwendbarkeit der präventiven und reaktiven Maßnahmen sicher. Bei der Beschreibung der Maßnahmen ist auf den Selbstschutz der Akteure zu achten.
Ergänzend zur genannten Gefährdungsanalyse ist ein Anlagen- und Bauteilkataster zu erstellen. Hierin sollten verschiedene Angaben über die konstruktive Ausführung, über die zulässigen Belastungen, verwendeten Materialen und ggf. notwendigen (wiederkehrenden) Prüfungen enthalten sein. Ebenso ist eine Aufstellung über ortsansässige Baufirmen und kurzfristig verfügbare sonstige Dienstleister sowie bereits vorhandenes Notfallmaterial sinnvoll.

Präventive Maßnahmen gegen Sturmschäden
Stürme oder Orkane sind nicht abwendbare Ereignisse. Ausgehend von der Bauweise bzw. Gebäudelage können nachfolgende Bauten als besonders sturmgefährdet betrachtet werden:

  • alle einzeln stehenden Gebäude sowie Bauwerke, die aus einer geschlossenen Bebauung herausragen,
  • Bauten mit großen Dach- und Fassadenflächen,
  • Bauten mit unregelmäßigen Formen der Außenwand- oder Dachflächen,
  • Bauwerke, die aufgrund ihrer Betriebs- / Bewirtschaftungsprozesse geöffnete Fassadenflächen (z.B. Tore) aufweisen.

Durch präventive Maßnahmen ist es möglich, Sturmschäden mittel- und langfristig zu minimieren oder gar auszuschließen. Insbesondere bei Dächern und Fassaden kann durch eine regelmäßige Kontrolle und Wartung verschiedener Bau- und Anbauteile das Schadensrisiko minimiert werden, dabei sind nachfolgende Kontrollschwerpunkte (in Anlehnung an die VdS-Richtlinie 2089) zu setzen:

  • aus der Verankerung gerissene Blitzableiter,
  • beschädigte, lose oder abgerissene Teile, Blasen oder Risse in der Dachhaut,
  • fehlende oder beschädigte Dachziegel oder Dachplatten und Verankerungen,
  • Risse oder Abplatzungen an Schornsteinköpfen, -abdeckungen und -einfassungen,
  • gelockerte Befestigungen von Antennenanlagen,
  • Risse im Außenmauerwerk,
  • schadhafte Dachüberstände, Schädlings- oder Fäulnisbefall im Holz,
  • lose Schneefanggitter,
  • undichte Dachfenster, Luken und Lichtkuppeln,
  • abgerissene oder verbogene Dachrinnen und Regenfallrohre,
  • unregelmäßige Kiesschüttung,
  • fehlende oder beschädigte Dachrandeinfassungen,
  • gelockerte Befestigungen bzw. Abspannungen von Dachaufbauten,
  • nur lose verbundener Fassadenschmuck in Form von Bauplastik,
  • mit dem Bauwerk nicht ausreichend verbundene Werbeträger (z.B. Fahnenhalterungen, Hinweis- und Werbeschilder).

Eine weitere präventive Maßnahme zur Vermeidung von Sturmschäden ist die Sicherung von leichten und beweglichen Gegenständen im Außenbereich (Tische, Stühle, Kübelpflanzen, Werbeaufsteller usw.).
Ein nicht zu unterschätzendes Gefahrenpotential stellen auch umknickende Bäume bzw. abbrechende Äste dar. Durch regelmäßige fachkundige Begehungen und Kontrollen sowie eine entsprechende Grünpflege können diese Gefahren begrenzt werden.
Tritt ein Schadensfall ein, kann durch eine sinnvolle Bevorratung an Baumaterialien (z.B. Platten, Folien, Bleche) und Werkzeugen eine Begrenzung des Schadens erreicht sowie Folgeschäden verhindert werden.

Präventive Maßnahmen gegen Schäden durch Niederschläge
Extreme Niederschläge in Form von Stark- oder Dauerregen, aber auch starkes Tauwetter, verursachen örtliche Überflutungen und Hochwasser an Fließgewässern sowie situationsbedingt verschiedene Folgeerscheinungen wie rückstauendes Wasser infolge einer Überlastung des Kanalsystems und erhöhte Grundwasserstände. Diese führen nicht nur zu Schäden an baulichen und technischen Strukturen, sondern stellen auch eine Gefahr für Leib und Leben dar. Da im vorliegenden Sicherheitsleitfaden bereits umfangreich das Thema Flut bearbeitet wurde, erfolgt an dieser Stelle lediglich ein Verweis zu dem entsprechenden Kapitel.
Das Thema Niederschläge bietet einen weiteren Gefahrenschwerpunkt: Durch starken Schneefall und durch Schneeverwehungen können erhebliche Belastungen auf Gebäudestrukturen (Dächer, Oberlichter usw.) einwirken. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass der Einsturz von Dächern infolge von Schneelast ein nicht zu unterschätzendes Risiko darstellt. Jüngstes Beispiel hierzu ist die Ausstellungshalle der Gedenkstätte Point Alpha in Geisa (Röhn / Thüringen, Dezember 2010).
Um die maximale Schneehöhe auf Dächern bestimmen zu können bzw. den Zeitpunkt einer Schneebeseitigung festzulegen, ist es unerlässlich, die Traglastkapazitäten (Verkehrslasten) der Dachkonstruktion zu kennen. Unter Berücksichtigung dieser Angaben sowie der Zustandform des Schnees kann anhand von Tabelle 4 ermittelt werden, welche zulässigen Höhen nicht überschritten werden dürfen. Für die Ermittlung dieser Angaben sollte ein Fachingenieur oder bei öffentlichen Gebäuden die zuständige Bau- und Liegenschaftsverwaltung zu Rate gezogen werden.

  Schneeart     Gewicht pro m³    Schneehöhe von 100 kg pro m² 
 Trockener, lockerer Neuschnee  30-50 kg  ca. 2-3 m
 Gebundener Neuschnee  50-100 kg  ca. 1-2 m
 Stark gebundener Neuschnee  100-200 kg  ca. 0,5-1 m
 Trockener Altschnee  200-400 kg  ca. 25-50 cm
 Feuchtnasser Altschnee  300-500 kg  ca. 20-35 cm
 Eis  800-900 kg  ca. 11-12 cm dick


Tabelle 4: Gewichte in Abhängigkeit der Schneeart (Niederösterreichischer Zivilschutzverband, Safety Ratgeber Wetterbedingte Naturgefahren, S. 22)

Bei Unwetterwarnungen vor starken Schneefällen sollte geprüft werden, ob vorsorglich die Dachfläche von Schnee beräumt werden muss oder ob noch Traglastreserven vorhanden sind. Wird eine Beräumung in Erwägung gezogen, sollten nachfolgende Grundsätze zur sicheren Durchführung beachtet werden:

  • Vor dem Betreten der Dachfläche ist zu prüfen, ob zusätzliche Belastungen noch aufgenommen werden können. Zur Beurteilung, ob ein sicheres Betreten möglich ist, ist im Zweifelsfall ein Fachmann (Statiker) hinzuzuziehen.
  • Auf arbeitsschutzrelevante Aspekte ist zu achten. Es besteht Absturzgefahr bei nicht durchtrittsicheren Dacheinbauten (z.B. Lichtkuppeln, Lichtbänder) sowie im Dachrandbereich. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Dacheinbauten mit Schnee verdeckt sein können und somit nicht erkannt werden. Ebenfalls sind sichere Aufstiegsmöglichkeiten zu gewährleisten.
  • Bei der Beräumung des Daches ist unbedingt die Statik der Stütz- bzw. Dachkonstruktion zu beachten. Eine einseitige Beräumung kann unter Umständen zu Stabilitätsproblemen führen, wenn die Fläche nicht gleichmäßig entlastet wird. Auch hier ist die Einbindung eines Fachmannes sinnvoll.
  • Besonders ist auf die Absturzsicherung der Personen, die bei der Räumung des Daches tätig sind, zu achten.
  • Die Abwurfstellen im Bereich der öffentlichen Verkehrsflächen sind zu sichern.

Es empfiehlt sich, frühzeitig vor Einbruch der Wintersaison die vorgenannten Grundsätze zu durchdenken bzw. umzusetzen. Für den Fall, dass man personell und technisch nicht in der Lage ist, die Beräumung durchzuführen, kann ein entsprechendes Unternehmen hiermit beauftragt werden (Wartungsvertrag).

Nach einer langen Winterperiode mit hohen Schneebelastungen ist es empfehlenswert, die Dachfläche und -konstruktion einer Inspektion durch entsprechendes Fachpersonal zu unterziehen. Hierbei sollte der gesamte Zustand der Konstruktion auf folgende Mängel kontrolliert werden:

  • Beschädigung der Dachhaut (Undichtigkeiten)
  • Schädlingsbefall von Holzkonstruktionen (z.B. Pilzbefall)
  • Wasserflecken aufgrund von Kondensatbildung
  • allgemeine Beschädigung der Stützkonstruktion (Dachstuhl)
  • Korrosion von metallischen Tragwerkskonstruktionen

Schneefall in Kombination mit mäßigen oder starken Winden stellt bei undichter Dachhaut eine weitere Gefahrenquelle dar. Durch eine regelmäßige Begehung der Bereiche sowie frühzeitige Beseitigung können weitere Schäden ausgeschlossen werden.
Einrichtungen in lawinengefährdeten Regionen sollten unter Hinzuziehung von Experten ihr Risiko bewerten und geeignete Schutzmaßnahmen treffen.

Eine weitere Form des festen Niederschlages ist Hagel. Starke Aufwinde in den Gewitterwolken verhindern, dass kleine Regentropfen aus der Wolke nach unten fallen. Die Tropfen werden immer wieder nach oben transportiert, gefrieren und neues Eis wird angelagert. Können die Eiskörner von den Aufwinden nicht mehr gehalten werden, fallen diese als kalte Tropfen, Graupel (Eiskörner < 5 mm) oder Hagel (Eiskörner > 5 mm) zu Boden. Je stärker die Aufwinde in der Gewitterwolke sind, desto größer können die Hagelkörner werden. Extremfälle mit einem Durchmesser von bis zu 8 cm als Einzelkörner sowie ca. 10 cm große Hagelkonglomerate sind möglich.
In Abhängigkeit des Korndurchmessers steigt das Gefahren- bzw. Schadenspotential. Im Extremfall können Hagelkörner Dächer und Glasflächen durchschlagen, ebenso sind Schäden und Zerstörungen an Grünanlagen möglich. Fällt der Hagel in kleinen Körnern, können zusätzlich lokale Überflutungen entstehen.
Um schützenswerte Objekte vor Schäden zu bewahren, empfiehlt sich der Einsatz von Hagelschutznetzen und -planen. Ebenso können bewegliche Güter in Sicherheit gebracht werden.
Zur Gewährleistung der Gebäudesicherheit sollten bei Neubauten oder Sanierungen Elemente der Gebäudehülle wie Fenster, Dachverglasungen, Oberlichter usw. aus hagelresistenten Materialien bestehen.

Präventive Maßnahmen gegen Schäden durch Gewitter
Begleiterscheinungen starker Gewitter sind neben Stürmen und ergiebigen Niederschlägen auch auftretende elektrische Entladungen (Blitze).
Folgen eines Blitzeinschlages können neben Bränden, ausgelöst durch Kurzschlüsse im Elektronetz, auch Verletzungen von Personen sowie Explosionen sein. Wird beispielsweise ein Baum von einem Blitz getroffen, verdampft durch die große Hitze das im Baum vorhandene Wasser und es kann zu explosionsartigen Erscheinungen kommen.
Durch die Installation eines Blitzableiters können Gebäude vor Schäden durch Blitzeinschläge geschützt werden. Eine norm- und fachgerechte Montage sowie eine entsprechend den baulichen Gesetzlichkeiten wiederkehrende Prüfung bilden hierfür eine wesentliche Voraussetzung.
Um Personenschäden auszuschließen sind während eines Gewitters folgende Verhaltensweisen zu beachten:

  • möglichst von Wasserhähnen oder Duschen fernhalten,
  • während des Gewitters keine Feuchtearbeiten durchführen,
  • nicht mit einem schnurgebundenen Festnetztelefon telefonieren,
  • Fenster und Türen schließen,
  • Gas-, Wasser- oder Heizungsrohre nicht berühren,
  • von elektrischen Einrichtungen mindestens einen Meter Abstand halten.

 

                                                                                                              Thomas Knippschild 

 

> Fragebogen Unwetter

> Wissenspool Unwetter